Wissenschaftliche Untersuchungen

Klassisches Tätigkeitsfeld der Biologischen Station ist die Erhebung wissenschaftlicher Grundlagen zur Flora und Fauna. Nur mit fundierten Kenntnissen über die in der Region vorkommenden Pflanzen und Tiere lassen sich ökologische Empfehlungen bei Planungen aussprechen, können Pflege- und Entwicklungskonzepte aufgestellt und sinnvoll Maßnahmen zur Optimierung der Lebensräume vorgeschlagen werden. Vegetationskundliche Geländeaufnahmen, Brutvogelkartierungen oder die biologische Bestimmung der Gewässergüte sind einige typische Beispiele für die von uns durchgeführten Untersuchungen. Im EDV-gestützten Geographischen Informationssystem (GIS) der Biologischen Station werden die gewonnenen Daten wie auch die Ergebnisse unserer Stadtbiotoptypenkartierung für Herne und Bochum verwaltet und gepflegt. So sind Informationen zu den von uns betreuten Gebieten komfortabel nutz- und abrufbar.

 
 


   
 
Betreuung von Schutzgebieten


Die Wahrnehmung dieser Kernaufgabe besitzt für eine Biologische Station mitten im Ruhrgebiet eine andere Ausprägung als in großflächigen Landschaftsräumen des Landes. Die Betreuung der zehn Naturschutzgebiete in Herne und Bochum mit ca. 200 ha Fläche reicht nicht aus, um den Biotopverbund auch im Ballungsraum zu realisieren. Typisch für eine Biologische Station im Revier ist daher z. B. die Beschäftigung mit Industriebrachen und Halden, oder im konkreten Fall mit einer früheren Hausmülldeponie oder der ehemaligen Liegewiese eines Freibades. Naturschutzwürdige Gewässer sind bei uns im Ruhrgebiet gerade auch Bergsenkungsseen, ehemalige Kohleabsetzbecken oder Regenrückhalteanlagen. Unsere Arbeit beschränkt sich aber nicht allein auf wissenschaftliche Untersuchungen: Die Biologische Station initiiert und begleitet notwendige Landschaftspflegemaßnahmen (z. T. von Zivildienstleistenden ausgeführt), sie führt Erfolgskontrollen durch und betreibt das Monitoring zur Entwicklung umgestalteter Flächen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Beratungstätigkeit für die Fachbehörden. Als geschätzte Einrichtung für Naturschutzfragen wird unsere Fachkompetenz von den Kooperationspartnern regelmäßig angefragt.


 
 
  Informationsvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit

Bei uns im Ballungsraum ist Informationsvermittlung eine Lobbyarbeit für die Natur. Neben Vorträgen, Führungen, Ausstellungen und Information vor Ort (z. B. Infotafeln) bieten wir Bochumer und Herner Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich in allen Fragen zur Natur in der Stadt an die Biologische Station zu wenden. Dafür halten wir ein umfangreiches Paket an Informationsmaterialien bereit. Bürgerwettbewerbe haben sich ebenfalls als geeignete Methode erwiesen, Mitmenschen für mehr Natur in der Stadt zu interessieren: "Grün statt Grau" führte zu mehr als 600 neuen Fassadenbegrünungen; 50 Beispiele attraktiv gestalteter Gärten sind im Rahmen des Wettbewerbes "Paradiesgärten in Herne" dokumentiert. Sehr erfolgreich war die Kinderaktion "Naturtagebuch" in Kooperation mit dem BUND Herne und KARSTADT.


 
 
 
Naturerlebnisveranstaltungen

Intensiv setzen wir uns mit der Frage auseinander, wie wir Wertschätzung für die Ruhrgebietsnatur und die Bergbaufolgelandschaft schaffen können. Denn ohne das Mitwirken der Bevölkerung wird bei dem engen Nebeneinander von Natur und Mensch die Stadtlandschaft ein armer Lebensraum für Tiere und Pflanzen sein. Die Schönheit in der Alltagsnatur zu entdecken und die Menschen zum Staunen zu bringen, auch das ist Anspruch unserer Arbeit. Nur wenn dies gelingt, kann sich Respekt, Liebe und letztlich Engagement für eine intakte Natur entwickeln. "Die echte Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaft zu suchen, sondern Landschaft mit neuen Augen zu sehen" (Marcel Proust). Verständlich, dass uns dabei die Kinder besonders am Herzen liegen: Durch unterschiedlichste Veranstaltungsformen machen wir Ruhrgebietsnatur mit allen Sinnen erlebbar. Dreh- und Angelpunkt ist unser Erlebnispfad "Glückauf Natur!", der über zwei ehemalige Zechengelände verläuft und der - ausgerüstet mit der zugehörigen Infobroschüre - auch ohne unsere Begleitung erkundet werden kann.

 
 
 



Stadtökologische Maßnahmen


Naturschutz in einer Stadtlandschaft kann auf das Potenzial des Siedlungsraumes nicht verzichten. Fassadenbegrünungen als Möglichkeit für mehr Grün in den Städten rücken wir durch Bürgerwettbewerbe in den Blickpunkt.

Die Effizienz von Dachbegrünungen steigt mit der Größe der begrünten Fläche. Tagungen wie "Große Dächer - grüne Dächer" richten sich deshalb gezielt an Industrie und Gewerbe. Wohnungsgesellschaften beraten wir bei der Gestaltung von Abstandsgrün.

Aber auch 370 ha Kleingartenfläche auf 118 Anlagen in Herne und Bochum sind eine Chance für das grüne Netzwerk. Die Biologische Station engagiert sich deshalb in der ökologischen Kleingartenanlage "Kraut und Rüben" in Bochum-Hordel, die erste ihrer Art in Nordrhein-Westfalen. Mit Unterstützung des Landes, der Stadt Bochum sowie des Regionalverbandes Ruhrgebiet (RVR) konnten wir dort eine Schauparzelle zum ökologischen Gärtnern einrichten, wo seit dem Jahr 2000 regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen stattfinden. Das ganze Spektrum von Maßnahmen zur ökologischen Stadtentwicklung fasst in Herne der Stadtökologische Beitrag (STÖB) zusammen. Er wurde von der Biologische Station gemeinsam mit dem RVR erstellt und ist gewissermaßen ein Landschaftsplan für den baulichen Innenbereich.