Naturschutzgebiete

Zu den Kernaufgaben der Biologischen Station gehört die Betreuung der Naturschutzgebiete in Herne und Bochum. Zurzeit sind dies sechs in Bochum und fünf in Herne. Weitere Schutzgebietsausweisungen sind in Planung. In Abstimmung mit den unteren Naturschutzbehörden und den ehrenamtlichen Natur und Umweltverbänden erstellen und überarbeiten wir Pflege- und Entwicklungspläne für diese Gebiete. Grundlage dafür sind fundierte Kenntnisse über die Flora und Fauna vor Ort. Dafür sind Bestandserfassungen im Gelände notwendig. Nach über 25 Jahren, in denen die verschiedensten Untersuchungen von uns durchgeführt wurden, haben wir darin eine wohl beachtliche Kompetenz erarbeitet.

 

Wenn Sie Fragen zu den Naturschutzgebieten haben, dann nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf. Einen guten Überblick bietet unsere Broschüre “Naturschutzgebiete in Herne und Bochum“.

 

Beim Studium dieser kleinen Lektüre wird Ihnen auffallen, dass es gerade der Mensch war, der hier im industriellen Ballungsraum zur Entstehung wertvoller Natur beigetragen hat. Um nicht falsch verstanden zu werden: Die ursprünglichsten Natur ist immer noch die unberührte Wildnis. Aber auch das Froschkonzert im Bergsenkungssee oder der Turmfalke über einer Bergehalde sind uns hier und heute ans Herz gewachsen und von Wert.


NSG Tippelsberg und Berger Mühle

Bochums größtes (und vielleicht schönstes?) Naturschutzgebiet im Ortseil Bergen besteht überwiegend aus Wäldern, die vom Dorneburger Bach und seinen Nebenbächen durchzogen werden. Namensgebend für das 1996 sicher gestellt Gebiet ist die am Oberlauf gelegene und noch bis ins zwanzigste Jahrhundert betriebene Berger Mühle.

 

Für dieses NSG ist ein Naturpfad eingerichtet: Herzliche Einladung, sich auf den Weg zu machen.

 

Die Buchen- und Eichenbestände der Hanglagen werden im feuchten Talgrund von Erlen-Eschen-Wäldern abgelöst. Ihr sumpfiger Untergrund bietet ideale Lebensbedingungen für den seltenen Riesenschachtelhalm. Die Bäche treten als Sickerquellen aus den wasserführenden Schichten des Castroper Höhenschotters aus. Bisweilen spülen sie dabei Höhlenflohkrebse an die Oberfläche. Bach abwärts wurde vor Jahrzehnten eine Kette von Stauteichen angelegt, in denen viele Amphibienarten heimisch geworden sind. Damit die Tiere während ihrer Anwanderung zum Laichgewässer nicht überfahren werden, installiert die Stadt Bochum in jedem Frühjahr entlang der Stembergstraße Krötenzäune. Im Zuge der täglichen Kontrollen werden Erdkröten, Frösche und Molche, die sich in den Fang-Eimern sammeln, von Hand zum Laichgewässer getragen.

 

Unterhalb der Teiche wurde 2005 der stark verbaute Dorneburger Bach durch die Emschergenossenschaft renaturiert. Es entstand ein neuer, naturnaher Talraum an der Grenze zum Naturschutzgebiet. Die Wiederbesiedlung des Baches und seiner Uferbereiche dokumentiert die Biologische Station im Rahmen einer Langzeitstudie.


Feuchtgebiet Blumenkamp

Dieses älteste Naturschutzgebiet Bochums hat eine Größe von knapp 4 ha: Es liegt auf der Grenze der Stadtteile Hordel und Günnigfeld. Das Feuchtgebiet ist gleichzeitig der tiefst gelegene Ort in Bochum: Über 10 Meter starke Bergsenkungen haben hier großflächige Mulden entstehen lassen, die sich mit Niederschlagswasser füllen. Ein Paradies für insgesamt acht Amphibienarten, mit Hunderten von Erdkröten im Frühjahr und sogar der seltenen Geburtshelferkröte. Im Sommer findet man sie alle in der benachbarten ökologischen Kleingartenanlage Kraut und Rüben wieder. Die Biologische Station beobachtet regelmäßig die Entwicklung des Gebietes.


Die Bergehalde Pluto-Wilhelm

Es darf als Glücksfall bezeichnet werden, dass die in den 1980er Jahren begonnene Rekultivierung der Bergehalde in Wanne-Eickel nicht zu Ende geführt wurde. Neben aufgeforsteten Bereichen verblieben ungeplant große Brachstellen. Gerade dort aber gedeihen heute viele Überlebenskünstler der Pflanzenwelt:  Das Tausendgüldenkraut oder die seltene Hundszunge erinnern hier an die Vegetation trockenwarmer Standorte. Spezialisten der Insektenfauna kamen später. Blutströpfchen und Goldwespe bringen Faarbe in das 12 ha große Gebiet in Herne-Wanne. Mit der Umsetzung der Maßnahmen aus dem Pflege und Entwicklungsplan der Biologischen Station wird diese sensible Lebensgemeinschaft heute gezielt stabilisiert.